Wenn Berlin interessante Konferenzen anbietet, dann ist Cori nicht weit. So ein paar Tage Denken pur lassen sich immer ganz wunderbar mit einem Familienbesuch verbinden
(und verursachen regelmäßig ein schlechtes Gewissen, weil tagelang so ganz ohne Arbeit dem Zeitplan ein Seitenhieb verpasst) wird. Letztes Jahr hatte ich das Glück, den Internationalen Kongress für Psychologie in Berlin besuchen zu können, dieses Jahr nun lud Berlin die Vereinigung der Wissenschaftlichen Studien von Bewusstsein ein (freie Übersetzung meinerseits ;]), auch ASSC genannt.
Da wir diesmal ein paar Leute mehr waren, konnte meine bescheidene Heimat in Potsdam nicht alle Teilnehmer beherbergen und wir nahmen uns zu siebt eine Ferienwohnung in Schöneberg, 15min vom Gendarmenmarkt entfernt, wo ich gestehen muss, wahrscheinlich noch nicht so wirklich gewesen zu sein. Im wunderschönen Leipzigsaal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (umgeben von dutzenden historisch wertvollen Gebäuden, wobei mich eines an den Invalidendom in Paris erinnerte…es war die ‘Französische Kirche’
). fanden unsere Hauptveranstaltungen statt. Nach dem fantastischen Begrüßungsvortrag am Freitag Abend (integrative Theorie von Bewusstsein, siehe Tononi) gab es Sekt und Brezeln und Wein und viele interessante Leute.
Zu diesem Ereignis war ich mit meinem Mentor verabredet, für den ich mich im Vorfeld ‘beworben’ hatte. Manuel Schabus arbeitet in der Schlafforschung und war für mich damit die beste Anlaufstelle für Tipps, Tricks und andere gut gemeinte Ratschläge ;]. Gleich als erstes erhielt ich einen Namen für meine Studien in Amsterdam und damit die große Hoffnung, durch diesen unverhofften Kontakt bald bereits mit eigener Schlafforschung beginnen zu können *freu*. In seiner Begleitung lernten wir (ja, alle anderen standen irgendwann auch an unserem Tisch ;]) 2 Diplomandinnen kennen, die uns nach Salzburg abwerben wollten
. Hatten an dem Punkt wohl auch schon etwas Alkohol intus ;]. Der Prof erzählte uns dann von den Schwierigkeiten des Professorendaseins, wie schön die Sommerferien seien (die einzige Zeit im Jahr für die eigene Forschung…), dass nicht wirklich viele Konferenzen (wo ist eigentlich der Unterschied zu einem Kongress?) bezahlt werden von der eigenen Uni und dass man für eigene Veröffentlichungen IMMER draufzahlt. Selbst für ein Buch bekommt man fast gar nichts und die Rechte an den eigenen Gedanken und Analysebildern verliert man auch komplett. Hörte sich alles nicht soo rosig an, aber die Salzburger sind da auch etwas trauriger dran als wir, da Österreich keine sogenannten Forschungsinstitute beheimatet. In Deutschland könnte ich statt Prof zu werden auch einfach ein Max-Planck-Institut von mir überzeugen :]. Ich hoffe, es gibt noch mehr Möglichkeiten, zwei scheinen mir zu wenig zu sein. Aber es ist immer erhellend mit Akademikern von anderen Unis und ähnlichen Studiengängen zu sprechen.
Am Samstagmorgen konnten wir uns das frühe Aufstehen fürs erste ersparen, da der sympathische Tomasello bereits vor einer Woche einen ähnlichen Vortrag in Osnabrück gehalten hat. Als wir kamen, standen die anderen Teilnehmer bereits am Kaffeestand und Cori schnappte sich leckeren Kuchen :9. Im Verlaufe des Tages bemerkten wir, dass es auch unter der Elite der Kognitionswissenschaftler (wozu ich sie mal einfach alle zähle) genauso große Unterschiede im Geben einer Präsentation bestehen. Da kann ich jetzt schlecht Namen nennen, aber die ersten Gedanken, die mir in solch enttäuschten Augenblicken kommen, kreisen um meine Deutschlehrerin in der Oberstufe, die uns solch grundlegende Vortragsfehler schon damals ausgeprü…trainiert hat. Ist dann leider sehr schade. Ein Vortrag war sogar mit Word präsentiert…
Die Nachmittage verbrachten wir in der Humboldt-Universität ein paar Straßen weiter. Die interessantesten Vorträge dort beschäftigten sich mit der Frage, wo Aktivitätsunterschiede des Gehirns zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein (durch Narkose z.B. oder als klinischer Komafall etc.) liegen. Ein Begriff oder vielleicht besser ein Konzept, von dem ich auch noch nicht gehört hatte, war das ‘default mode network’, quasi die Gehirnstrukturen, die minimal aktiv sein müssen, damit Bewusstsein vorhanden ist. Nicht, dass das schon klar definiert wäre.
Aus diesen unwissenden Gründen ergaben sich dann die Fragen nach Bewusstsein in Komapatienten (da gibt es auch noch verschiedene Stufen). Wie können wir sagen, ob ein Patient bewusst ist oder nicht, wenn er sich selbst nicht durch Verhalten mitteilen kann? Da wir nun in der Lage sind mittels fMRI Gehirnaktivitäten zu messen, müsste es uns gelingen, Muster in Komapatienten zu erkennen. Ein Vortrag war dazu äußerst überzeugend. Wenn wir solchen Patienten nur einfache Aufgaben stellen würden (ohne am Anfang zu wissen, ob sie diese auch mitbekommen), könnten auftretende Muster, die denen von gesunden Menschen gleichen, auch durch automatische Verarbeitung hervorgerufen worden sein. Der Vortragende konnte allerdings Aufgaben für jeden unserer Sinne und Sprache zeigen, die bewusste Aufmerksamkeit auf die Aufgabe erfordern und in dem Sinne von niemandem ausgeführt werden können, die völlig unbewusst sind. Ich benutze extra die verneinte Variante, da alle zögerlich sind mit der Aussage, der Patient wäre in solch erfolgreichem Erfüllen der bewusstseinsfordernden Aufgabe wirklich bei Bewusstsein (und könnte das nur nicht mitteilen).
Das konferenzielle Socialising war auch ungemein gut organisiert, leider musste die Studentenparty wegen des schlechten Wetters vom Strand wegverlegt werden und war dann kaum noch der Rede wert; das Bankett am nächsten Abend war zu teuer und die AfterParty am Montag verpassten wir absichtlich, da die meisten von uns schon kaum noch stehen konnten… Dafür hatten wir mal Zeit zusammen zu kochen und einen kurzen Spaziergang zu machen (unglaublich, was alles am Alex ist, dessen ich mir nie bewusst war…die Gräber der preußischen Herrscher im Dom sind wirklich sehenswert!).
Alles in allem ist das Beisammensein so vieler gleichinteressierter kluger Menschen auf so engem Raum ein erhebenswertes Gefühl. Innerhalb so weniger Tage wird man mit so viel neuen und spannenden Theorien gefüttert, dass im Grunde genommen ein paar Tage danach eingeräumt werden müssten zum Verarbeiten all dessen und für all die eigenen Gedanken, die einem kommen.
Sehr lustig und auch irgendwie komisch finde ich dann noch Situationen, in denen geballte VIP-Aura aufeinander trifft, z.B. zwei berühmte Philosophen traschend neben sich sitzen zu sehen :]. Noch dazu, wenn der eine der eigene Seminarleiter in Osnabrück ist (selbst aber auch aus Amiland zu Besuch) und der andere der Autor des Buches, das im Seminar behandelt wird
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