C. D. Broad

Mind and Its place in nature

Über Broads abweisende Haltung gegenüber dem Reduktiven Materialismus

Mit einer sehr abwertenden Einstellung schreibt C.D. Broad, ein englischer Philosoph, in seinem Werk „Mind and Its Place in Nature“ über die vermeintlich falsche Aussage der Behavioristen, dass einen Verstand zu haben nichts anderes bedeutet, als sich in diesen oder jenen Mustern zu verhalten. Im Folgenden werde ich von der Sicht des Reduktiven Materialismus’ – auch Behaviorismus genannt – übergehen zu den zwei Haupthesen von Broad, die er in seinem Werk zu beweisen versucht, und jeweils die Argumente dazu darlegen.

Die Behavioristen leiten alle mentalen Prozesse, die wir gewöhnlich als Denken oder Verstand auffassen, von körperlichem Verhalten ab. Das bedeutet, dass wir auf eine Situation oder ein wahrgenommenes Objekt mit bestimmten Verhaltensmustern reagieren, die letztendlich als Ursache fungieren, dass wir die entsprechende Sache erfassen. Hinter diesem Prozess steht somit kein Denkakt im Sinne von wir gebrauchen unseren Verstand, sondern pure Reaktionsschmemata.

Broad setzt an diesem Punkt mit seiner ersten Behauptung an, dass es immer Situationen gibt, in denen wir eine bestimmte Sache wahrnehmen, auch ohne dabei ein charakteristisches Verhalten zu zeigen. Er unterstützt diese These als erstes mit dem Einwand, dass sich ein Körper bei gleicher Erfahrung nie wirklich gleich verhält. Wenn ein Mensch einen roten Tisch beispielsweise wahrnimmt, so zeigt er möglicherweise auch ein beobachtbares Verhalten darauf. Nur dieses unterscheidet sich von dem, das er beim nächsten Mal äußert, wenn er diesen selben roten Tisch ein weiteres Mal sieht. Woraus zu erkennen ist, dass körperliches Verhalten nicht in einer eins zu eins Korrelation mit mentalen Prozessen wie Wahrnehmung steht.

Des Weiteren führt er hierzu nicht nur Objekte von außerhalb des Körpers an, die uns beeinflussen, sondern auch Dinge in unserem Denken. Nach der Theorie der Behavioristen müsste man jedes Mal bei denselben Gedanken dieselben Verhaltensstrukturen aufweisen. Dies scheint allerdings eher weniger der Fall zu sein. Zum Beispiel denke ich über Omas Apfelkuchen nach und verhalte mich in Bezug darauf allerdings den einen Tag so und den anderen Tag ganz anders, weil ich an Ersterem ja möglicherweise Appetit darauf habe und das nächste Mal nicht. Dementsprechend gehe ich entweder zu meiner Oma und veranlasse sie dazu Kuchen zu backen oder ich verhalte mich entgegengesetzt.

Für sein drittes Argument zu diesem Punkt geht Broad von der alleinigen Perspektive des Individuums weg. Wenn man nach den Behavioristen geht, müssten alle Menschen auf denselben Reiz ähnlich reagieren, da schließlich die Wahrnehmung desselben Objektes ein spezifisches Verhalten auslösen müsste. Auch das scheint sich in den meisten Fällen anders zu verhalten. Man stelle sich beispielsweise einen Abgrund und drei Menschen vor. Alle drei sehen dasselbe und doch verhalten sie sich unterschiedlich. Der Eine mag sich logisch vernünftig zeigen, indem er nicht weiter läuft auf seinem Weg. Der Zweite geht mit Absicht darauf zu, weil er weiß, was ihn erwartet und er sich die Auswirkungen der Gefahr möglicherweise herbeisehnt. Der Dritte wiederum erkennt genauso wie alle anderen die Gefahr. Er will vielleicht gar nicht hinunterstürzen und tut es aus anderen Gründen dann doch. Damit wäre ein weiteres Mal verdeutlicht, wie unabhängig Verhalten von mentalen Prozessen ist.

Schließlich gibt Broad auch noch zu bedenken, dass wir nicht immer ausschließlich eine Sache alleine wahrnehmen und darauf reagieren, sondern dass sich in unserem Spektrum oftmals mehrere Dinge befinden, die wir gleichzeitig erfassen. In diesem Fall ist ebenfalls die ein zu eins Korrelation nicht mehr haltbar, denn wir müssten dann möglicherweise zwei Verhalten gleichzeitig ablaufen lassen und wie das von statten gehen soll, ist nicht ganz klar.

Zusammenfassend ist somit zum ersten Teil zu sagen, dass Broad sich darauf stützt, dass es weder in unserer Erfahrung mit körperlichen Gegenständen noch mit unseren Gedanken einen charakteristischen Zusammenhang mit spezifischem Verhalten gibt. Genauso wenig wie man diesen im Vergleich mit vielen Menschen und derselben Erfahrung sowie mehreren erfahrbaren Gegenständen gleichzeitig erkennen könnte. Solange also die Behavioristen nicht zeigen, dass ein Verhaltensmuster nur stattfindet, wenn wir ein bestimmtes Objekt wahrnehmen und sich nie äußert, wenn wir dies nicht tun, so ist ihre Behauptung zweifelhaft.

Nach der Argumentation über den Zusammenhang von Verhalten und mentalen Prozessen möchte ich im Weiteren zu Broads zweiter These kommen. Er behauptet, dass selbst dann, wenn in manchen Fällen eine permanente, sprich immer wieder gleich auftretende, Verknüpfung zwischen einem bestimmten wahrgenommenen Objekt und einem Verhalten existiert, es in diesen Fällen trotzdem noch etwas anderes geben muss, das in diesem Prozess eine Rolle spielt.

Diesbezüglich stellt Broad eine weitere Tatsache fest. Wir nehmen Erfahrungen wesentlich stärker wahr als scheinbares Verhalten, das diese Denkprozesse begleiten soll. So sind wir uns sicher, dass wir ein bestimmtes Objekt erkennen, aber bekommen eher weniger mit, dass es sich dabei um die Bewegung des Körpers in irgendeiner Art und Weise handelt. Im Grunde genommen können wir uns oft nicht einmal sicher sein, ob unser Körper in dem Augenblicke der Betrachtung sich überhaupt in einer charakteristischen Weise verhält.

Darüber hinaus nimmt Broad an, dass wir schlicht und ergreifend etwas außer Acht lassen, wenn wir unser Dasein auf reines Verhalten reduzieren. Wir wären nicht mehr als bloße Automaten, und dass diese Vorstellung nicht unserem Wesen entspricht, ist für ihn deutlich einzusehen.

Außerdem, würden wir nichts anderes als Verhalten in uns und in anderen bemerken, wie könnten wir dann eigentlich auf den Gedanken kommen, dass wir mehr besitzen als Reaktionen? Aus irgendwelchen Ursachen muss diese Vermutung herstammen. Wir brauchen laut den Behavioristen ja einen Anlass, der bei uns Verhalten auslösen kann und dann in uns diesen Gedankengang (über das Mehr in uns) impliziert. Des Weiteren können wir dieses Etwas neben dem reinen Verhalten auch direkt beobachten, weswegen wir uns sicher sein können, dass es existiert. Ich verhalte mich in bestimmten Situationen so und so und kann dies auch an anderen Menschen erkennen. Dieses Nachdenken über Verhalten wohnt einem Tier möglicherweise nicht inne, scheint somit etwas anderes in uns zu sein, als bloße Verhaltensreaktion.

Gegeben das eben Gesagte wird zusammenfassend deutlich, dass Broad selbst in Situationen, wo es zwischen Verhalten und mentalen Prozessen eine eins zu eins Korrelation zu geben scheint, nicht mit den Behavioristen übereinstimmt. In diesen Situationen gibt es für ihn vielmehr irgendetwas, das uns noch zusätzlich zu Verhalten innewohnt und uns so von bloßen Automaten abhebt. Sehr wichtig scheint ihm dabei auch unsere eigene Einschätzung zu sein. Er sagt, wir seien uns bewusst, dass da noch mehr in uns ist als bloßes Reagieren und dass wir dieses Etwas meist sogar stärker wahrnehmen als mögliche in Verbindung stehende körperliche Verhaltensmuster. Um diese anmutende Subjektivität seinerseits noch zu unterstreichen sei bemerkt, dass sich Broad in seinen Argumenten gegen die Behavioristen auch sehr emotional äußert.

Gerade im letzten Absatz kann man als Leser das Wort Beleidigung nicht mehr verdrängen. Er scheint ein Philosoph zu sein, der sich möglicherweise mehr von seinen Gefühlen leiten lässt, worunter teilweise die Strukturiertheit seines Werkes leidet und viele Argumente einfach durch Wiederholungen aufgefrischt und in neuer Art und Weise dargestellt werden, um weitere Dinge gegen den Reduktiven Materialismus anbringen zu können.

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