Auf den Hund gekommen

Ich wusste, dass das eines Tages passieren würde und nun kann ich nicht mehr anders als das Hund-Mensch-Wer-ist-Hund-Wer-ist-Mensch-Verhalten unschuldiger Mitbürger zu entlarven…

In Osnabrück herrscht buntes Treiben – Afrika Wochen – und nachdem ich sämtliche Techno-Jugend-Kreisch-Bühnen hinter mir gelassen hatte, wurde ich durch dumpfe Trommelklänge auf dem Marktplatz begrüßt.

Ich kann es mir grad auch nicht verkneifen zu erwähnen, dass Osnabrück dabei natürlich kurz vor dem nächsten Wolkenbruch stand…

Whatsoever, um nicht ganz so dämlich wie alle anderen herumzustehen, erspähte ich den letzten freien Steinsockel vor der Marienkirche, wo ich mich zu meinem Leidwesen in direkter Nachbarschaft zu einem Tier, Familie: Hund – Art: Hund – Rasse: Hund (so viel zum Thema Hundeauseinanderhalten und ich), mit Frauchen befand.

Und als hätte ich es geahnt… Sofort sah ich mich in ein ausgiebiges Gespräch über Hunde involviert: „Hach, das ist ein ganzer Lieber! Der ist so wuschlig kuschlig [...]. Er hat sogar schon als Therapiehund gearbeitet, jaja, hat viele Leute von ihrer Phobie heilen können [...]“ bla bla.

Ich fühlte kurz an meiner Stirn, ob dort schon wieder das Ich-habe-Respekt-vor-Hunden-Schild angebracht war.

„Los, streicheln sie ihn ruhig mal, der ist so lieb knuffig [...], tut niemandem was [...] !“ Der Hund schien genauso engagiert wie sein Frauchen meine Hunde Distanz mittels Schocktherapie auf der Stelle zu minimieren.

Aus meiner Opferrolle erlöst wurde ich durch das Auftreten eines noch (!) größeren Hundes mit Herrchen. Das Drama in 3 Akten begann. Ich ärgerte mich riesig kein Popcorn mitgenommen zu haben. Was sich dann abspielte, war der typische Hund-mit-Mensch-trifft-auf-Hund-mit-Mensch-Parkalltagsdialog:

1.Akt

*Frau springt auf* „Achneeehee, is der sühüüß

[Anmerkung vom Autor: groß].

*Dem Hund in die Arme fall*
Währenddessen war Hund Nr.1 ganz und gar nicht begeistert, kläffte in jede Himmelsrichtung,

suchte Schutz bei mir o_O,

wuselte hier und da und wurde schlussendlich von Frauchen eingefangen zwecks Zwangsbeschnupperung und Anfreundung mit Hund Nr.2.

Herrchen zeigte sich in seinem Enthusiasmus zurückhaltender…ging schlicht und ergreifend in die Knie, schnappte sich fremdes Hündchen und kraulte bis zum Umfallen (des Hundes), der prompt wieder auf mich zukam, diesmal bemerkte, dass er mich eigentlich nicht kennt/mag und wusste gar nicht mehr wohin.

Ich blätterte derweil in meinem imaginären Programmheft und wusste, es folgt nach kurzer Pause der nächste Akt…

2.Akt

Die Aufmerksamkeit der Zuschauer steigerte sich und nach Profi-180°-Beobachtungsblick (im Rücken war eine Kirche) hatte ich mindestens 5 verschieden Parteien potentieller Ins-Geschehen-Verwickler ausgemacht.

Eine Frau mittleren Alters eilte auch schon zielstrebig über den Platz, bereits die Worte des nächsten Parkspruches formend und übermittelte uns diese ganz außer Atem in begeisterter Erregung:

„Den haben wir auch. *nach Luft schnapp* Ich sach noch eben zu meiner… *sich suchend umgugg nach besagter Person, die scheinbar nicht hinterher gekommen war* naja, DEN GLEICHEN haben wir auch mal gehabt. Er hatte nur die Pfoten so in Puscheln und eigentlich die Farbe dort und das Mal hier, aber DENSELBEN *nein, ich habe mir die Hunderasse nicht gemerkt* hatten wir auch! *kreisch* „

Die zweite Streichelorgie nahm seinen Lauf…

Im Hintergrund war eine Mutter bestrebt ihre Tochter an ähnlich imaginären Zügeln zu halten wie HundeFrauchen und ein Mann mit Currywurst glotzte genauso entertained wie ich mampfend zum Geschehen.

Wenn da nicht zwei große Hunde gewesen wären, hätte ich Beifall geklatscht für besonders gute Einlagen. Hachja, so berechenbar, es folgte der nächste Akt. (Meine imaginären Pralinen waren leider bereits alle y-y.)

3.Akt

Nach 2Min intensiver Hund-Hund bzw. Herrchen-Frauchen Beschnupperung war man sowieso schon beim DU und es wurden fleißig Kämm-dem-Hund-alle-losen-Haare-aus-Bürsten gewechselt und ausprobiert. Und prompt bewegte sich der Small Talk Richtung Ihrem-Hund-fallen-ja-mehr-Haare-aus-als-meinem…

Gedanklich konnte man das Adressenaustauschen erahnen und der Vorhang fiel mit einer Hach-kennen-wir-uns-schon-lange-Umarmung.

Der größere von den großen Hunden hatte traditionell noch etwas am nächstgelegenen Pfeiler zu erledigen, bevor Herrchen und Hundchen mit gleichem Trottelblick von dannen zogen (mitten in dem Mob vor die Bühne…).

Nachwort/Applaus

3 Sekunden nach dem emotionalem Theaterausgang kam der nächste ahnungslose Fahrradfahrer herbei und schloss sein Rad an eben jenem bestimmten Pfeiler an… mein Zeichen die Vorstellung zu verlassen.

Und die Moral von der Geschicht?
Stell dein Fahrrad an ein Pfeiler nicht…

Nein, mal im Ernst, Hund2 hätte Frauchen locker überrumpeln, beißen, zerquetschen, mit Tollwut, BSE oder Vogelseuche infizieren können. Aber ich glaube, wenn Hund-Fanatiker auf das Objekt seiner Begierde zustürmt, fliehen augenblicklich alle Parasiten, Viren und andere Unidentifizierten FlugObjekte…andernfalls würden sie wohl auf Nanoebene erdrückt.

6 Responses

  1. Sag doch einfach (kurz), dass du keine Hunde magst!!! *g*

  2. Du hast nicht richtig gelesen. Die Hunde sind in meiner Geschichte ja doch noch recht gut bei weggekommen ^-^!
    Aber ja, Katzen sind mir lieber.

  3. So sah Hund1 übrigens in etwa aus:
    http://www.kleine-arche.de/pix/Beryll_schwarz_weiss.jpg

  4. Himmel!
    Warum ist mir so etwas noch nie aufgefallen? Ich kenne diese klischeebelasteten Parkdialoge nur aus klischeebelasteten Filmen.

    Ach ja! Jetzt fällt mir ein, warum es mir nie aufgefallen ist:
    Ich mache konsequent einen großen Bogen um jedes Hundeviech!

    Hätten diese Menschen Katzen gehalten und sich über die Eleganz, den Charme, den Anmut, die Intelligenz, die Schönheit, die Vollkommenheit und die gesunde Arroganz ihrer Lieblings-Schnuffel-Kuschel-Miezi-MiauMiau Katzen unterhalten, hätte ich mich erfreut zu der Gruppe begeben und gefragt, ob ich nicht mal zufällig eines der Tiere streicheln dürfe.

    Aber so etwas passiert nun mal nicht.
    Und warum nicht?
    Katzen haben es nicht nötig von ihren Herrchen durch die Gegend getragen zu werden, damit sie ihr Geschäft verrichten können. Wenn Katzen das Haus/die Wohnung aus Spaß verlassen, kommen die auch selbstständig wieder.

    Da bleibt mehr Zeit für das Herrchen die Katze im Stillen anzuhimmeln :)

  5. Ohhhhhhh is der süüüüüßßßßßß!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    *lautlach*

  6. Will da jemand behaupten, dass könnte UNS Katzenliebhabern passieren, wäre da nicht der kleine, aber feine Unterschied, dass jede Katze in solch Situation Reißaus genommen hätte…?

    Klischee, weiche von mir *Kreuz mit den Fingern mach*!

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