Einige nennen es Nerdfestival andere future vision show, Hauptsache man war mal dort, um sich selbst ein Bild von dem Menschenauflauf auf engstem Raum machen zu können.
Schon am Osnabrücker Bahnhof wurde deutlich, auf was wir uns da eingelassen hatten…Wir sahen uns umzingelt von Grüppchen unseren Alters: “Wollen die etwa alle dahin, wo wir hinwollen?!” Auch trafen wir bereits auf erste bekannte Gesichter, was im Laufe des Tages nicht abreißen sollte.
Auf der CeBIT angelangt stellten wir schnell fest, dass es wichtig war Prioritäten zu setzen, weil das Angebot an Hallen und Ständen; Tüten und Zeitschriften einfach zu immens war, als dass wir alle hätten mitnehmen können.
Telekommunikation war dann am Anfang auch nicht die Herausforderung für uns; schön dass es hier Popcorn gab;
im Gegensatz zum Am-Hallen-außen-entlanghangeln-bis-nächsten-Eingang-finden. Draußen wurden wir weggeweht und Atmen konnte man fast weniger als in den Gebäuden.
Auf, auf, zum Future Parc! Dort entdeckten wir dann schnell die Dinge, für die es sich lohnt hinzugehen. Ich wurde vor einen Eyetracker gesetzt, gegen den unsere Uni Eyetracker schlichtweg gesagt alt aussehen. Er ist nämlich gar nicht sichtbar…in den Bildschirm integriert überraschte er mit einer fixen Kalibrierung und unglaublich guter Performance. Ich konnte “Dracula” lesen, währenddessen Tracky meinen Augenbewegungen folgte und zum jeweiligen Satz inhaltlich schaurige Musik, grusliges Pferdewiehern und Bilder abspielte. Ganz besonders praktisch das Per-Augen-Seitenweiterscrollen und Menüsteuern per Augenblick. Das spricht meinen optischen Lerntyp optimal an, dem sich Texte und Worte sonst recht schnell verflüchtigen.
Weiter gings. Nach der bestimmt vierten Vorstellung unseres Bachelorstudiums gerieten wir an einen dialoggesteuerten Legoroboter. In ein Mikro wurden Floskeln gesprochen wie: “Fahr bitte ein Stück rückwärts.”, “Welche Farbe hat der Ball?”. Verbesserungswürdig ist natürlich noch die Methode, sämtliche Sätze auf gut Dünken vorzugeben und einzuprogrammieren, aber irgendwo muss man ja immer mal anfangen.
Nach unserem langen Kampf um preiswertes Essen (unsere Essensorganisation war stümperhaft, glücklicherweise hatte Nico einen Vorrat an Keksen und Gummidrops bei), der uns unserer letzten Kräfte beraubt hatte, saßen wir gemütlich wieder im Future Parc und lauschten einem Vortrag über “Information Retrieval for Music and Motion”. Der dort vorgestellte SyncPlayer beeindruckte nicht schlecht. Über ihn ist es bspw. möglich, nahtlos von einer Musikaufführung in eine andere zu wechseln. Stellt euch also vor, ihr habt Beethovens 5. Sinfonie (da da da daaa,… da da da daaaa) in einer Klavierfassung und einer Orchesterfassung von Bernstein und Karajan. Drei Aufführungen, die sich allein schon in Instrumenten und Geschwindigkeit unterscheiden und ja doch dasselbe Stück vorführen. Mittels SyncPlayer und Vektor basiertem Pattern Matching ist es dem Benutzer möglich, die Klavierfassung anzuhören und mitten drin in die Orchesterfassung überzuwechseln ohne eine Bruch zu erleben. Danach hatten wir alle einen Ohrwurm
. Eine weitere praktische Anwendung, die ich persönlich toll fand, ist die Audio-Scan Synchronisierung. Ihr habt digital eine Notenfassung von Beethoven und die Audiodatei. Jetzt ist es möglich die Musik zu hören und gleichzeitig auf der Partitur zu verfolgen, welche Noten gerade gespielt werden. Zudem kann an eine beliebige Stelle in die Audiodatei oder die Partitur gesprungen werden und der Player verfolgt den Sprung im jeweiligen anderen Medium ebenfalls. Vorgetragen wurde das ganze von einem Mann, der aussah, als hätte ihn die 30 noch nicht gekitzelt, mit einem Doktor und Professor im Titel…
Ich war fix und foxi. Deshalb konnte ich leider die WorldCyberGames Halle nicht mehr ganz so intensiv auskosten. Dort drin war alles finster, laut und unglaublich…toll! PCs ohne Ende, Wii, riesen Event, wo live Singstar in Rockbandvariante gespielt wurde und Spielemöglichkeiten ohne Ende (wenn nicht eh das meiste besetzt gewesen wäre). In der PC Landschaft, metaphorisch durch eine hüfthohe Mauer umschlossen, tummelte sich Klischee Nr.1: männlich, Altersklasse 12-17. In den Pavillons hätte ich mich dagegen schon gerne in einen Rennsessel oder wie ich diese geniale Sitzgelegenheit für Rennspiele sonst charakterisieren könnte hineingepflanzt. Nunja, war nichts zu machen.
Ausgelaugt und glücklich Schokoshake schlürfend saß ich dann mit den beiden Jungs im McDoof des fix-unf-foxi-untauglichen Hannover Hauptbahnhofs wartend auf die Heimreise ins Bett.