Nun beschäftige ich mich seit mehr als 3 Wochen intensivst mit der Philosophie des Geistes und ich muss sagen, es hat schon mehr oder weniger beeindruckende Effekte hervorgebracht.
Ich habe mich schon immer gegruselt, nachdem ich letztes Semester so viel Psychologie belegt hatte, dass ich anfange, in psychologischen Termen zu denken, wenn andere Menschen und vor allem auch ich selbst mir Anlass dazu gebe. Also Leute, wenn jemals ein studierter Psychologe irgendwo behauptet, er würde nicht dem Klischee unterliegen, jeden sofort zu analysieren, dann glaubt mir, bezieht sich das höchstwahrscheinlich auf das „sofort“. Sobald der Abend rum ist, liegt da mehr in seinem Kopf an psychologischem Müll rum, als euch und bestimmt auch ihm beliebt. Aber ich schweife ab.
In der Schule wurde immer erzählt, dass wir fleißig Mathematik lernen sollen, nicht nur um der Noten willen oder weil sie so zauberhaft wäre oder weil man ohne nicht einkaufen gehen kann etc., sondern auch um die eigene logische Fähigkeit auszubauen, rationales Denken! Tja, fand ich nie sehr effektiv, obwohl ich (jedenfalls in der Schule) nicht grad die Null in dem Fach war. Andere Naturwissenschaften verweigern sich der Lehre des Denkens noch mehr, in meinen Augen.
Philosophie ist das Zauberwort! Bevor ich mit meinem Studium begann, hatte ich eine Unterhaltung mit meinem späteren Mentor, der zu mir sinngemäß meinte:
Viele kommen her, weil sie die Kombination aus Informatik, AI etc. anspricht oder weil sie biologisch-psychologisch veranlagt sind und die Interdisziplinarität reizt. Was vielen dabei entgeht und was vielen vor allem dann später schwer fällt, ist das Verfassen von längeren kohärenten Texten, Essays 2. Semester Philosophy of Mind. Dabei ist die Philosophie das, was uns verbindet. Sie ermöglicht es uns aus unseren engen Perspektiven zu steigen und den Zusammenhang zu erkennen.
Das habe ich erst jetzt so richtig verinnerlicht, wenn ich auch dachte, es damals verstanden zu haben. Aber durch das Auseinandersetzen mit den Fragestellungen und Theorien, die eigentlich ja alle Wissenschaften einschließen und als ein Ganzes betrachtet werden müssen, fange ich an, eigenständig kreativ zu denken und zum ersten Mal in meinem Leben wirklich fundiert sagen zu können: Ich habe den Anfang meines philosophischen Weltbildes geschaffen. Ich habe eine Meinung entwickelt, die ich bereit bin zu vertreten, weil sie mir schlüssig und wirklich erscheint. Sonst dachte ich beim Lesen der Texte oft: Mh, ja, okay, klar versteh dich (oder auch nicht…), klingt ganz gut, würde ich auch so sehen/nachvollziehen. Und dann kam die nächste Position: Ja doch, DAS hört sich gut an, bin ich auch für… Und das ist in vielen Dingen in meinem Leben so, dass ich vielleicht zu offen bin für Pro und Kontra, als dass ich eine eigenständige Position einnehmen könnte. Aber gestern hatte ich die eine wahre Erkenntnis.
Andere Effekte sind ähnlich denen der Psycholgie. Wenn Leute über Themen reden, wo sie gar nicht recht bemerken, dass da Grundsatz philosophische Dinge drinstecken, ist mein Geist schon in Defintionen und Argumenten hinein getapst. Es ist doch oft wie mit der blauen und der roten Kapsel: Wissen muss man ertragen können. Je mehr Wissen man hat, umso schwerer wird die Last, einfache physikalische Korrelation.
Aber es gibt natürlich nicht nur in der Mathematik heitere Momente („Das ist trivial einzusehen…“):
Das klingt absurd; Und es ist es auch!
Wir hatten es heute in der WG auch von Philosophie und wie wichtig es generell ist einen eigenen Standpunkt beziehen zu koennen und auf die eigene Urteilskraft zu vertrauen. Gerade in den Bereichen wo es nicht ums Beweisen geht, sondern um das Abwaegen mehr oder minder ueberzeugender Argumente.
Vor einem halben Jahr hatte ich auch das Gefühl ein „Grundkonzept“ für mich gefunden zu haben, aber inzwischen hat sich meine Ansicht um 180° gedreht. Wenn ich so zurück blicke, bin ich mir unsicher, ob ich überhaupt einen festen Standpunkt hatte oder gar habe…
Anyway, mich würde deine konkrete Position interessieren.
Ja, ich versuch sie mal in einen kleinen Aufsatz einzubetten und dann veröffentliche ich ihn. Jetzt ein paar Fragmente rauszubrechen, reicht mir schon argumentationstechnisch nicht aus.