Dennett und wir in Amsterdam
Gestern unternahmen wir quasi die erste Exkursion unseres Studentenlebens - wir besuchten Dennett in Amsterdam.
Dank unsereres erfolglosen Versuches vor einem Jahr nach Edinburg zu fliegen, um einem Talk von dem berühmten Philosophen Daniel Dennett zu verfolgen, bekamen wir vor 2 Wochen von unserem Philosophieprofessor den entscheidenden Hinweis: Dennett, Amsterdam, yeay!
Glücklicherweise macht es einem das Studium nicht ganz so schwer wie die Schule, wichtigere Dinge im Leben als die Anwesenheit in der jeweiligen Institution wahrzunehmen. Zu viert fuhren wir früh los und kamen pünktlich im “Amsterdam Medical Center” gegen Mittag an. Sogleich packte ich demonstrativ mein mitgebrachtetes Dennettbuch vor mir auf den Tisch und wurde prompt von einem Niederländer angesprochen, dem ich draußen schon erklärt hatte, dass dies der Dennett Saal sei, weil ich gar nicht mitbekommen hatte, dass ich auf Niederländisch gefragt wurde. Dazu später noch ein paar Worte.
Also, neue Freunde zu finden, scheint hier nicht schwer zu sein. Nicht lang und wir hatten einen Plan, wir wir später Amsterdam unsicher machen wollten. Ich plauderte gerade mit Andreas, da kam… DENNETT!, der Dennett, über den wir Essays schreiben mussten, dessen Name mir in meiner Philosophieprüfung nicht entgehen konnte…bla…und ich nur so: ” *verhalten kreisch* Da, da, daaaa!!! Dennett!!”
*lol* Wusste gar nicht, dass so viel Groupiepotential in mir steckt. Er sah genau so aus, wie wir uns das vorgestellt hatten: Weihnachtsmann, hier vielleicht besser Märchenonkel mit genau der passenden Stimme. Genauso der Hörsaal: wie erwartet eines Dennetts würdig.
Eingeleitet wurde der Vortrag vom Psychatriezentrum. Der Typ hat alles, worüber Dennett so philosophiert, als wichtigen Bestandteil der psychatrischen Arbeit dargestellt. Das war unglaublich. Die Rede triefte nur so von Heroisierung seines Fachbereiches. Dennett konnte sich teilweise das Schmunzeln auch nicht verkneifen.
Sein Thema “How cultural evolution builds human minds” fügt sich hervorragend in das scheinbare Motto dieses Semesters ein: The evolution of mind, culture and society. (Wir besuchen hier ein Seminar dazu und das Kolloquium hat als Gastprofessor jemanden am Institut, der sich ebenfalls mit diesem Thema auseinandersetzt). Jeder unserer Professoren kann sich ruhig ein gutes Stück von Dennett abschneiden! Mag sein, dass nicht jedem eine solch angenehme Erzählstimme gegeben ist, aber das Ganze war wie eine gute Geschichte, der man noch länger lauschen wollte.
Ich habe mit meiner Kamera mitgeschnitten, allerdings wollten die Akkus nach der Hälfte den Geist aufgegeben, weshalb ich so gut wie keine Fotos von Amsterdam hier präsentieren kann *schnüff*. Leider musste er pünktlich gehen. Da kommt er extra nach Amsterdam und hat dann nicht mal Zeit die Diskussion sich richtig entwickeln zu lassen. Aber es hat sich trotzdem auf alle Fälle gelohnt!
Das Wetter spielte anfangs auch noch mit, sodass wir am frühen Abend in der Stadt spazieren konnten. Das war mein erster Besuch in Amsterdam und mir war gar nicht so bewusst, wie viel Wasser sie hier haben. Überall Kanäle und Brücken und lang gezogene schmale Kähne. Irgendwo hat es einen Charme von Venedig *seufz*. Osnabrück ist einfach zu - naja - trocken (von unten). Die Häuser in der Innenstadt sind bezaubernd und die Gassen und Winkel geheimnisvoll einladend. Auf dem Markt gingen wir durch Reihen von Tulpen und stürmten in den ersten und gleichzeitig letzten Einkaufsladen, den wir erspähten, um die Kostbarkeit “Vla” zu exportieren. Dieser Tetrapack gefüllte flüssige Pudding in allen Geschmacksrichtungen ist in Deutschland nicht zu bekommen. Nicht mal hier, wo wir doch schon recht grenznah wohnen. *mmmmhjam*
Zwischendurch immer mal wieder und auf dem Weg zurück zum Auto kamen wir ordentlich in den angekündigten, aber ignorierten Regen -.-. Welch ein Glück, dass sich das überhaupt so lang gehalten hat. Die Rückbank schlief dann auch skrupellos, während ich die Fahrerin bei Laune hielt, um sie vor dem Einschlafen zu bewahren ;). Was für ein Tag! Das wiederholen wir bald wieder!
Am lustigsten ist für mich aber immer noch die Sprache. Dieses harte Geröchel, dass Niederländer sicher länger heiser bleiben lässt während Erkältungen als andre Leut, im Deutsch-Englischen Slam ist unglaublich. Wie bereits erwähnt, passierte es mir, dass ich meinte, jemanden Deutsch reden zu hören, genauso wie ich abends beim Pizza essen die Nachbartischunterhaltung als Englisch auffasste…Bis ich schlussendlich immer mitbekam - Moment… die Worte hast du grad nicht verstanden - das war Niederländisch (wie bei der Sendung mit der Maus). Meine Lieblingswörter: “geopened” und “liefste” (liebste) *g*. Das macht die Kommunikation auf jeden Fall einfach, Lesen gelingt nämlich auch sehr gut.
Und wie praktisch, dass man weder an der Grenze lang aufgehalten wird, noch Geld umtauschen muss, nur um einen Tag in Amsterdam verbringen zu dürfen.
Hier ist das Video. Dreht die Lautstärke hoch. Besonders süß finde ich seinen “Ähm” Ersatz, quasi ohne “ä”.
http://www-lehre.inf.uos.de/~czennig/
eher ohne “hm”, oder? ein ganz normales amerikanisches “uh”
Nuja, er sagt irgendwie “ahm” oder auch nur “ah”. Auf jeden Fall sehr angenehm.