Was momentan in Osnabrück abgeht, kann man sich nur vorstellen, wenn man dabei ist – so wie ich (leider) … Die Stadt ist voll mit Menschen, Tieren, Beamten und Verkehrsbeschränkungen. Gerade ist die Maiwoche vorüber – ein Aufgebot an organisatorischen Höchstleistungen, Musik, Bühnen und Leuten – und schon kommt das nächste Event. Armes Osnabrück, sonst ist ja hier auch nix los, was. Also Mitleidende, bringen wir den deutschen Katholikentag auch noch hinter uns.
Erst fühlte ich mich in Volksfeststimmung gedrängt. An jedem nur möglichen Ort stehen riesige weiße viereckige Zelte, aus denen ich nicht recht schlau werde. Mitten auf die Schlosswiese haben sie den Rasen pseudo-bepflastert und eine Bühne raufgepflanzt, die armen Studenten wie mir nicht nur die rare Gelegenheit von Entspannen im Feien raubt, sondern auch gewaltig das Schlossgebäude beschallt. Heute im Seminar hörten wir neben dem Vortrag immerzu: wumm, wumm, wumm. Bass ohne Ton, sehr katholisch. Im darauffolgenden Seminar (ich war froh heil einen Weg in die Mensa gefunden zu haben) gabs dann Ansagen per Megaphon und wumm-ba-wumm-ba, bähm, bähm. Unser Thema war gerade „Stress“.
In der Innenstadt gibt es dafür Volksmusik und Würstchenstände. Ich bin froh, schon ein Weilchen hier zu leben, da ich mir eine Menge Schleichwege nutzbar machen kann, die mich fast (aber leider auch nur fast) an alle meine Ziele bringen.
Übersieht man die gewaltigen Stahlmonster, könnte man auch meinen, ins Mittelalter versetzt zu werden. Überall laufen gläubige Menschen rum und die Polizei ist – ob klug oder nicht – aufs Pferd umgestiegen. Dementsprechend lecker gestaltet sich das Rad fahren zur Zeit.
Meine Mittelalterstimmung wurde allerdings schlagartig revidiert als ich es sah – das Pioniertuch! Great. *rofl* Ich war entzückt. Nicht nur, dass alle Menschen ihre Zugehörigkeit durch ein blaues Umhängeschildchen präsentieren, als wäre die ganze Stadt eine einzige Messe (in doppelter Bedeutung), nein, sie tragen teilweise blaue Tücher, die mich SEHR stark an die heimatliche DDR erinnern… Menschen sind unverbesserlich. Aber man wird hier auch nicht nur von Pionieren überrannt. Es sind einfach alle Altersklassen vertreten. Nur die Studenten kann man erkennen und als zu einem selbst zugehörig erkennen – hochgezogene Augenbrauen, stress-geplagte Schrittart, anti-blau.
Da fühlt man sich gleich ein wenig diskriminiert
. In das modernste Studiengebäude kam ich heute nicht rein, da sich vor mir sofort ein großer schwarzer Anzugmensch in den Weg stemmte -
*tiefe Stimme*
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Nein, das nicht, aber meine Eintrittskarte wollte er sehen. Ich hätte eventuell meinen Studentenausweis mal probieren können
. Also wieder vorbei an der Holzkirche, die so groß etwa wie ein umgekippter Baum mitten vor der Mensa steht und sämtliche verbleibenden Notparkplätze für Räder versperrt, zu einem Raum, in dem ich die einzig tolle Entdeckung heute machte: studentenfreundliche Stühle. Am liebsten hätte ich mir für meinen armen Rücken einen mitgenommen. So hing ich da reingewühlt wippend Stifte um die Finger spielend, starrte die Oma an, die mich durch die Glastür anstarrte und sinnierte über mögliche Bedeutungen des wumm-da-wumm-da und wie man das mit dem Zeug in Verbindung bringen könnte, das der Dozent versuchte gegen den Lärm anzubringen – Herzinfarkt.
Aber die Pioniertücher *rofl*!
ich mag die t-shirts: „theologisches bodenpersonal“
wenn sie grade nicht singen, sind sie schon ein lustiges völkchen.
die kindergruppen könnten sie für meinen geschmack allerdings weglassen… schätze, das ist die einzige art, wie sie heute noch konvertieren können…
Dann sollten wir uns T-shirts anfertigen mit „Die Hölle auf Erden“ *muharharhar**hust*…
Ja, ich war überrascht, wie viel junge Leute da rumrennen. Sind die wirklich alle freiwillig bzw. gläubig hier? Ich habe die Hoffnung, dass einige nur eine Schulexkursion machen von ihrem Religionsunterricht aus.
Aber das schärfste ist ja, dass die Kiddies schulfrei haben die drei Tage gerade nur für das Volksfest!
schulfrei? sind kirche und staat nicht mehr getrennt hierzulande?
Hier noch eine kleine Anekdote: Ich habe heute erfahren, dass der Bäcker am Bahnhof mal spontan um 10 Cent teurer geworden ist ;9 .