Schule lässt uns wohl nie los

Mal abgesehen davon, dass unser ganzer Jahresrhythmus nach Schule (und deren Ferien ausgerichtet ist) und damit einflussreich ihre Hände in Sachen Preisbildung in den verschiedensten Kategorien hat, gibt es so vieles, was ich beim Empfang meines Abiturzeugnisses dachte, für immer hinter mir gelassen zu haben…

Zum ersten Mal in meinem Studentenleben kam eine Referentin nicht zum Vortrag. (Nebenbei hatte sie schon die 2 Wochen zu vor Wichtigeres im Sinn gehabt). Lehramt…und als wir darüber diskutierten, wurde mir klar, dass das bei Lehramtsstudenten ein größeres Problem ist… Als erstes kommt mir dann der Spruch in den Sinn “wie im Kindergarten”, aber das ist genauer betrachtet ja gar nicht wahr. Im Kindergarten hatte alles seine Ordnung – Essen, Schlafen, Spielzeiten, Spaziergänge. In der Schule tummelt sich viel größeres Chaos. Also, wie in der Schule. War sprachlos. Das lustigste: Wir hatten die PowerPointPresentation. Kurzum: das erste PowerPointKaraoke in einem Seminar. In meinen Augen war das schlussendlich wahrscheinlich sogar kreativer und sinnvoller. Wir mussten wirklich nachdenken, was da so an Stichpunkten stand und erarbeiteten uns erstmal selbstständig Argumente, die wir dann auch bestätigt bekamen, ein paar Slides später. Sehr kuhl.

Kaum zu Haus. *schrill klingel*, *zur Tür watschel, aufmach*, *in große Kulleraugen starr* …

Wir…äh…w..w.wwir…sindvonder[Name]Schuleundhabenüber
dieFeriendieHausaufgabeaufbekommenfürdas
SOSKinderhilfsdorfSpendenzusammeln…

So süüüß und wie gut die das drauf haben, mich in Verlegenheit zu bringen, mir den Stempel eines knausrigen unbeteiligten Studenten aufzudrücken. Nicht schlecht. *Ausrede bring und sich gedanklich mit sich selbst in die Diskussion verhedder, dass es ja nicht ginge, wenn sie bspw. ständig kämen und nach einer Definition such, wann soetwas angemessen oder entschuldbar sei*… Wurde dann aber abrupt aus meiner gedanklichen Selbstbestrafung gerissen. Das Mädel, das die ganze Zeit den Jungen mit dem Sparschwein vor sich hat reden lassen, meldete sich zu Wort:

*toderwachsenenernst*
Das ist in Ordnung. Nicht so schlimm.

Da hab ich nicht schlecht geguggt ;) .

6 Responses

  1. Toll, wie du einfach zwei unzusammenhängende Assoziationen bekommst und schlussfolgerst, dass dich die Schule wohl nie loslassen wird.
    Finde es jetzt aber nicht so… berrauschend. Aber ist bestimmt Geschmacksfrage und so!

    Komisch, an was du beim Erhalt des Abizeugnisses gedacht hast. Ich dachte Zeug wie “Uahh! Toll! Mein Abizeugnis” und kurz darauf: “Naja… und was mach ich jetzt damit? Jetzt ist die Schule vorbei…”
    Ich fühle mich verhältnismäßig gerne an die Schule zurückerinnert.

    Ach ja: Der Jahresrhythmus ist nach der Schule ausgerichtet? HÄ? Vielleicht der eines Schülers oder einer Familie, von der mindestens ein Mitglied Schüler ist — aber sonst?
    Und jetzt nochmal bitte erklären, was Schule mit Preisbildung zu tun hat.

  2. Kann ich Zephyr nur zustimmen. Überzeugt irgendwie nicht.
    Als ich mein Zeugnis bekam, dachte ich eigentlich nur: “Verdammt vorbei…war ne geniale Zeit!”

  3. Das war auch nicht zum Überzeugen gedacht. Ihr könnt ja nicht davon ausgehen, nur weil ihr andere Gedanken zum Thema “Was ich bei der Zeugnisausgabe für Gedanken hatte” gehabt habt, dass ich nicht meine eigenen hatte. Für mich war das keine “geniale Zeit”. eher Zeitverschwendung. Also bitte: Meinungsfreiheit.

    Und wenn es unzusammenhangslos erscheint, dann ist dieser Punkt an euch vorbeigegangen. Gerade weil mir 2 Dinge zu diesem Thema am gleichen Tag in so unterschiedlicher Form über den Weg liefen, dachte ich darüber viel nach. Und mir fiel auf, dass wir nie losgelassen werden. Kaum beginen die Schulferien, steigen die Benzinpreise. Kaum geht die Schule wieder los, gibt es überall Sonderangebote in Sachen Büromaterialien, das Radio ist voll von Feriengelaber. So gut wie jeder weiß eigentlich immer, wann diese Zeit wieder ranrückt. Und das sind nur die Oberflächlickeiten, die eigentlich ohne Schwierigkeiten offensichtlich sind. Und dann eben diese Gewohnheiten, unser Verhalten, so viel, was wir in der Schule getan haben, erlernt, angewöhnt haben, dass nicht weichen wird oder jedenfalls nur schwer. Wenn ihr die Schule so mochtet, könnt ihr ja gern Schüler im Geiste bleiben. Ich würde mich gern langsam davon trennen (deswegen war es auch nie mein Wunsch Lehrer zu werden). Aber wenn man sich das Verhalten von “Erwachsenen” anschaut, hat sich selbt in dem Alter leider oft nicht mehr viel geändert (gerade im Umgang mit anderen). Das waren eben meine Gedanken.

  4. oO;
    Was kümmern dich Benzinpreise? Auf so was achte ich gar nicht~ Ähm, gut, ich weiß nicht inwiefern ich ohne meine Schwester (in ihrer Rolle als Schülerin) wissen würde, wann die Schulferien beginnen und enden, aber wie gesagt: es kratzt mich nicht großartig.
    Spar dir dein Meinungsfreiheitsding, ich hab extra noch “Geschmackssache” in meinen Kommentar geschrieben.

    Ich habe in der Schule viel erlebt, was unschön ist, trotzdem wars toll.
    Mein Erleben von Lebensabschnitten ist wenig an externe Dinge wie ein Abitur geknüpft — ich bezweifle sogar, dass ich überhaupt mein Leben in Abschnitte einteilen kann/möchte. Daher fällt es mir schwer Aussagen wie “Schüler im Geiste bleiben” zu erfassen.
    Es war für mich ein sehr fließender Übergang nach der Schule. Es ist nicht durch etwas beschreibbar, dass man loswerden möchte, oder von dem man sich trennen möchte.
    Man kann sich nicht von seiner eigenen Biographie distanzieren.
    Und so nimmt mein Erleben und Handeln während der Schulzeit immer mal wieder Einfluss auf mein heutiges Erleben und Handeln. Andersherum wird zu der Zeit erworbene Erfahrung nicht ersetzt, sondern ausgeweitet — wie kann es da mich oder dich loslassen?

  5. Schule war nich klasse, weil ich morgens mit schlechtem Gewissen dorthin fuhr, da ich wieder einmal nicht die Französischvokabeln gelernt hatte oder ich vor der Matheklausur kein Auge zu bekommen habe. Schule machte wegen des sozialen Umfeldes spaß. Tolle Freunde und bekannte, teilwese gute Lehrer, spitzen Erinnerungen und Erlebnisse. Ich bezweifle nicht, das Uni da nicht eventuell sogar besser ist aber es sind dennoch Dinge, die ich nicht missen möchte.
    Es ist daher schön von dir zu hören, dass ich und deine alten Freunde “Zeitverschwendung” waren…

  6. @Toby: Du schreibst schon wieder in man-Form. Ich möchte mich explizit davon abgrenzen. Das hat allerdings nichts mit Distanzierung von Biographie zu tun. Das hat nur damit zu tun, dass ich diesen Teil der Biographie schlicht und ergreifend hinter mir gelassen habe. Das ist für mich abgeschlossene Vergangenheit, das heißt nicht, dass ich Vergangenheit verdränge.

    @E: Schule = Schule; Schule -ungleich- Freunde. Wenn für dich Schule gleich Freunde sind, dann scheinst du einen großen Privatteil sprich Freizeit nicht gehabt zu haben. Freunde sind vielleicht zum Teil auch in der Schule, dann kann diese aber immer noch schlecht oder ungeliebt gewesen sein, wie du ja sogar selbst zugibst. Nur um deine widersprüchlige Logik mal klarzustellen. “Schule war nicht klasse” versus “Schule ist Zeitverschwendung gewesen”, sehe da keinen Unterschied auf der Positivitätsskala.

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