Verschiedene Arten von Beziehungen und ihre Unterschiede
Aus evolutionärer Perspektive gibt es drei verschiedene „ultimate Mechanismen“ in menschlichen Beziehungen, denen ein jeder gegenüber steht:
- Verwandtenselektion
- Sexuelle Selektion (Darwin)
- Kooperation (Hamillton)
Die Vortragenden behaupteten nun, dass diesen ultimativen Mechanismen Psychologische gegenüber gesetzt werden können:
- Verbundenheit
- Reziprozität
- beides zusammen
Mit diesen beiden Mechanismen – Vertrautheit/Verbundenheit und Reziprozität – können wir unsere alltäglichen Beziehungen also definieren. Verwandtschaft kennzeichnet demnach eine enge Verbundenheit, Partnerschaft (romantic relationship) besteht aus hoher Reziprozität
, und Freundschaft u.Ä. definiert sich durch sowohl hohe Verbundenheit als auch Reziprozität. Alles, was übrigens diese beiden Faktoren nicht beinhaltet, sind nur soziale Interaktionen, keine wirklichen Beziehungen.
Interessanterweise verschieben sich die Grenzen durch elterliche Fürsorge/Pflichten. Paare mit Kindern ähneln den Verwandtschaftsbeziehungen mehr: Sie zeigen eine höhere Verbundenheit (und sind weniger zufrieden mit ihrer eigentlichen Beziehung). Kinderlose Paare verschieben sich in Richtung nicht-Verwandtschaft: Sie haben nicht nur eine hohe Reziprozität sondern auch eine hohe Verbundenheit.
Na, das sind ja trübe Aussichten
. Soviel der Stand der Forschung hier. (Ja, mit sowas kann man Geld verdienen.)
Arrangierte Ehen
Es gibt allerlei Studien zu arrangierten Ehen, in denen die langfristige Zufriedenheit in freiwilligen bzw. arrangierten Ehen untersucht wird. Die allgemeine Meinung dazu beinhaltet folgende Eigenschaften beider Formen: Die Wahlheirat geht einher mit überhöhten Erwartungen, einer hohen Scheidungsrate und geringerer Zufriedenheit. Eine arrangierte Ehe kennzeichnet sich aus durch die größere Erfahrung der Eltern (oder wer auch immer), rationalen Kriterien, realistischeren Erwartungen und einer größeren Motivation aktiv am Erfolg der Beziehung beitragen zu wollen.
Eine Studie in Indien hat gezeigt, dass Wahlheiraten nur in den Anfangsjahren eine höhere Zufriedenheit verbuchen; die arrangierte Ehe steigt mit der Zeit und hält sich auf ihrem Niveau stabiler. Was macht diesen Erfolg nun wirklich aus? Hierzu gibt es wenig empirische Daten. Karney und Bradbury haben ein Verletzlichkeit-Stress-Anpassungs-Modell entwickelt, nachdem Eheerfolg davon abhängig ist, welchen Sorten von Stress ein Paar ausgesetzt ist, wie verletztlich jeder ist in Konflikten und wir gut sich jeder anpassen kann, sprich kompromissbereit ist. Paare, die Konflikten und Stress schlecht entgegen treten können, sind mit der Zeit immer unzufriedener in ihrer Beziehung.
Und jetzt, um alles wieder zu verwirren
, gibt es auch Studien, die zeigen, dass es eigentlich kaum einen Unterschied in der Zufriedenheit zwischen Deutschen und bspw. Indern gibt. Jeder ist anders gestrickt…
Wie behandelst du deinen virtuellen Partner?
Zu guter Letzt stellte ein ambitionierter junger Mann sein eigen entwickeltes diagnostisches Komputerspiel TIMVE vor. Es soll implizite (unbewusste) Motive messen, wie bspw. das Bedürfnis nach Vertrautheit.
Das Ganze darf man sich so vorstellen: Es gibt 4 Charaktere in dem Spiel mit Interaktionsmöglichkeiten wie in einem Sims Spiel. Einer wird durch den Benutzer gesteuert. Ein Zweiter charakterisiert die Partnerin (bei einem männlichen Spieler) und die anderen beiden sind einerseits die hübsche Nachbarin von nebenan, der man verfallen könnte, sowie der smarte alte Bekannte der Partnerin…
Wir bekamen eine Vorführung und ein paar witzige *hust* tiefpsychologische Ausschnitte vom Archivmaterial. Innovativ. Aber ob es wirklich implizite Motive misst, ist in meinen Augen noch fragwürdig. Als intensiver Sims Spieler weiß ich, dass in der virtuellen Welt andere Maßstäbe gelten und man einfach auch Dinge tut, die in der Realität nicht vorkommen, weil es im Spiel nunmal lustig und unterhaltsam ist. Einem virtuellen Partner stehe ich immer anders gegenüber als einem Echten.
So sieht also romatic relationship research aus
. Habe ich danach als interessante Ablenkung neben meiner zukünftigen wirklichen Arbeit abgehakt
.