Andere Länder, andere Sitten

Gestern war ich kurz in Amsterdam um mir ein Zimmer anzuschaun. Ich hatte mit dem schlimmsten gerechnet, da nach einer Woche Kontakt mit dem Vermieter noch niemand anderes das Zimmer bekommen hatte. Normalerweise gibt es so 20 Leute auf eine Anzeige.

Hinter dem Hauptbahnhof ging es mit einer kostenlosen Fähre zur anderen Seite hinüber, wo uns eine Plattensiedlung erwartete. Komische Menschen liefen mit Pittbulls in der Gegend rum und an der Wohnungstür wurden wir von einem jungen Schwarzen in Empfang genommen, der uns statt meines Vermieters (und Mitbewohners) in Empfang nahm, da die Klingel nicht funktionierte. Oben erwartete uns noch ein weiterer schwarzer Freund des bestimmt 45jährigen Mannes, der das Angebot ins Internet gestellt hatte.

Das Zimmer an sich war in Ordnung, man kann gut in 10m^2 leben, aber die restliche Wohnung war so keimig und der eigentliche Bewohner kaum in der Lage sich mit mir auf Englisch zu unterhalten. Vor der Tür wurden wir von Anwohnern noch mehrsprachig zur richtigen Hausnummer verwiesen. Alles in allem hatten wir mehr eine Gruppe von Drogendealern vor uns als wirklich ein anständiges Mietverhältnis xD. Wir verabschiedeten uns dementsprechend flott, und die beste Ausrede, die mir einfiel, um diesen Vorgang zu beschleunigen, war die Frage nach der „Registrierung“. Damit man ein Bankkonto und was weiß ich alles machen darf in den Niederlanden benötigt man eine Bürgerservicennummer und die bekommt man durch Registrierung bei den Behörden als neuer Einwohner. Aber seine „Arbeit“ würde das nicht zulassen. O_o. Schnell auf die nächste Fähre.

*seufz*. Ich hatte ja keine große Hoffnung gehabt, aber dann dieses Gefühl der völligen Sinnlosigkeit dieser teuren Fahrt zu spüren, war doch nochmal was anderes. Geschockt wurde ich zum Abschied noch durch die Preise des FastFoods – 6€ für einen Döner und 2€ für einen Cheeseburger bei McDoof. Herjemine. Und das Kifferzimmer hätte mich auch ohne Internet schon 350€ gekostet.

Nun bin ich gerade dabei in das nächste Ausland zu ziehen, da verfolgt mich übrigens auch immer noch das letzte (Japan)… Meine Handyfirma rechnet immer noch tüchtig ab, obwohl ich erstens keinen Vertrag mehr haben sollte und zweitens das Teil ja nicht mal mehr benutzen kann. Nach langen Versuchen jemanden wie meinen früheren Tutor in Japan zu erreichen, stellte sich nach dessen Besuch bei der Firma (die keine Email Kontaktadresse hat) heraus, dass der Vertrag von uns hätte gekündigt werden müssen, BEVOR wir das Land verlassen. Jetzt wird sich mancher denken, ja, das ist doch üblich. Nein, das ist überhaupt nicht normal in diesem Fall! Wir haben einen befristeten Vertrag gehabt, der genau bis zum 31.3.09 lief und man hatte mir damals auch versichert, wir müssten nichts weiter tun als ihn auslaufen lassen (dafür gibt es ja das Ablaufdatum). Und jetzt sowas! Und die Spitze des Eisberges: Mein Tutor kann den Vertrag nicht mal unter diesen Umständen für uns kündigen. Wir müssten persönlich bei einem der Geschäftsstellen (in Japan) vorbeischauen. Ich glaub, es hackt! Was geht nur auf dieser Welt alles ab??!

5 Responses

  1. Ich möchte noch hinzufügen, daß es nicht das Problem war, zwei Schwarze und einen 45jährigen vor uns zu haben :) Du hast die Hautfarbe da etwas unglücklich betont. Nur erfüllten die zwei Jungs jedes Klischee des Dealers (Ghettoklamotten, pausenlos am Handy, der eine saß komplett angezogen im Wohnzimmer und schaute in den Fernseher, der andre war auf dem Balkon, damit man seine Telefonate nicht hörte – verdächtig war vor allem, daß sie keine Freunde des Vermieters zu sein schienen und nur aufm Sprung waren, aber seine Geldangelegenheiten regelten), und der 45jährige jedes Klischee des Abhängigen (total runtergekommen und unkoordiniert, nuscheln, schlechte Zähne und Haare). Das Haus stank nach Pisse, die Küche war verwahrlost, die Nachbarn waren zum Fürchten mit ihren Pitbulls… Man war selten so froh, wieder nach Hause kommen zu können.

    • Ja, allerdings. Vielen Dank für diese erweiterte Darstellung. War gerade zu sehr in Rage, als noch mehr zu schreiben ;]. Und es war garantiert nicht rassistisch gemeint, nur um das Klischee, vor dem wir standen, zu unterstreichen. Jetzt weißt du, warum ich da nicht allein hinwollte ;].

  2. Mir fiel Hautfarbenkommentar nicht negativ auf,
    Ausreden herbeizerren hingegen schon, übrigens.

    • ? Wir hatten so gar nicht das Bedürfnis uns die normalerweise angebrachten 20min mit den Leuten zu unterhalten. Ich wollte da einfach nur wieder raus, und der Part mit der Registrierung war nicht gelogen, nur nach vorn gezogen im Gespräch und auch nicht der Mühe Wert zu verhandeln o.Ä.

      Versteh deinen Kommentar nicht.

  3. Will Blogeintrag zum Happy End!

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